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Michael Cerha

Der Werwolf, der hinter allen Tapeten lauert

Elisabeth Wedenig zeigt in der Kleinen Galerie des Kunstvereins, wovor wir uns nicht so fürchten sollten. Auch die »Wilden Frauen« wollen vielleicht nur helfen.

(KTZ Donnerstag, 28. November 2013)


Die Tapete, die früher noch weit verbreiteter war als heute, ist eine vielschichtige Chiffre. Sie steht für das bürgerliche Konstrukt einer Wohnlichkeit, der Sauberkeit wichtiger ist als atmende Wände. Sie steht auch für die endlose Wiederholung ein und desselben Musters, aus der man sich nur durch einen Tapetenwechsel befreien kann. Schließlich hat sie noch eine unheimliche Facette, die sich vor allem den Augen von Kindern erschließt, die sie lange genug betrachten: Dann treten hinter den regelmäßigen Farbflächen, die sonst so freundlich wirken, auf einmal Wesen hervor, die einem Angst machen. An diesen Effekt erinnern die neuen Bilder, die Elisabeth Wedenig jetzt bis 23. Dezember in der Kleinen Galerie im Künstlerhaus zeigt. Eröffnet wird die Ausstellung mit dem Titel »change your head before you loose it« heute Abend um 19 Uhr. Den Hauptteil bilden die drei auf ungrundierte Baumwolle gemalten Bilder »Entwachsen« als großes Querformat sowie »Werwolf« als großes Hochformat und »Die Welt aus deinen Schuhen« als kleineres Hochformat.


Die drei Arbeiten sind als Gesamtbild zu dem auch auf YouTube abspielbaren Musikvideo »Bad Seed« der Band »A Life, A Song, A Cigarette « konzipiert, und zwar so, dass ein kleiner Teil des großen Querformats sichtbar (und bildwirksam) bleibt, wenn man die beiden Hochformate davorstellt. Die Verbindung zwischen den beiden Hochformaten ist in der Ausstellung durch eine bemalte Tapetenbahn angedeutet, die beide Arbeiten verbindet. Zu erleben ist ein Zwischenreich aus Wirklichkeit und Vorstellung, das durchtanzt wird von teils transparenten, seifenblasenähnlichen Gebilden, deren stilisierte Blütenmuster wieder auf Tapeten verweisen.


Instinkt und wilde Frauen

Nun könnte man das sich aller Rationalität verweigernde, tief instinktive Lauern der Wölfe und Wolfsmenschen, denen man sich da gegenüber sieht, als nur bedrohlich empfinden. Da würde man allerdings übersehen, dass »die Instinktnatur unser stärkster Verbündeter sein kann, wenn wir dies zulassen«, wie die Regisseurin von »Bad Seed«, Elisabeth Wedenigs Schwester Alexandra, zu ihrem Video bemerkt hat. Dass wir uns vielleicht nur deshalb vor etwas fürchten, weil wir es zuvor aus unserer Zivilisation weggesperrt haben, und dass sich in der Angst vor seiner Wiederkehr nur immer noch jener Anteil bemerkbar macht, den wir daran nicht abschütteln können, zeigt sich in der kleinen Schau auch anhand einer vierteiligen Grafikserie von »Wilden Frauen«. Angeregt wurden die Blätter durch eine Sage über Frauen, die in den Bergen lebten und den Bauern bei der Getreideernte zu Hilfe kamen. »Wild« hießen sie, weil sie so scheu waren. Und um sie auf Elisabeth Wedenigs Bildern zu erkennen, muss man auch wirklich ganz genau hinschauen: Ihre Konturen sind mit einer feinen Nadel in das Weiß des Papieres gestochen.


2013 zur Ausstellung "Change your head before you lose it" in der Kleine Galerie im Künstlerhaus, Klagenfurt

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